St. Nikolauskirche von der Großen Wiesen aus gesehen - ©Erwin Purucker

St. Nikolauskirche
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Evangelisch-lutherische Kirche in Marktleuthen an der Eger
und im Fichtelgebirge, dem granitenen Hufeisen im Herzen Europas

Marktplatz 1 in 95168 Marktleuthen

Gottesdienst: jeden Sonntag um 12°° Uhr
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. von 8°° bis 12°° Uhr

Hier geht's zum Kirchturm.
Kreuz

Hufeisen und Glücksklee



Innenansicht

Warum trägt eine evangelische Kirche den Namen eines katholischen Heiligen?
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Satelitenbild Marktleuthen von der grenzenlosen Gartenschau in Marktredwitz 2006 Dies ist mir in der ganzen Gegend hier aufgefallen und kam mir sehr befremdlich vor. Ich denke aber, dass sich dies aus der Geschichte des Fichtelgebirges erklären lässt.

1368 wurde die bzw. eine Kirche in Leuken, das damals aus 2 Höfen und dem "widemhof", also dem Pfarrgut, bestand in einer Urkunde erwähnt. Es wird vermutet, dass die Kirche damals eine sogenannte Eigenkirche war, also eine Kirche, die der Gutsherr für seine eigenen Leute gebaut hat. Zu dieser Zeit gab es nur katholische Kirchen, Kirchenfenster da die Reformation ja erst später stattgefunden hat, und zwar als 1528 Markgraf Georg der Fromme sie im gesamten Fürstentum Brandenburg-Kulmbach einführte. Die nächsten Kirchendokumente von 1577 sprechen von einem Brand, der den gesamten Markt inklusive Kirche, Rathaus und Schule, die sich damals im Rathaus befand, einäscherte. Rechts auf dem Foto sieht man, wie nah Kirche, Rathaus und rechts hinter der Kirche das Pfarramt zusammen liegen.

Engel mit Trompete Ich vermute nun, dass der Name der Kirche der ursprüngliche Name der Kirche ist, die der Sage nach von drei Notthafft-Fräuleins gegründet worden war, die hier ein Burghaus bewohnt und die Stelle dotiert hatten. Aus historischer Sicht könnte die Gründung auch noch auf die Slawenmissionierung um das Jahr 1000 zurück gehen. Marktleuthen lag aufgrund der strategisch günstigen Lage an der Egerfurt, an einer wichtigen Handelsstraße, die schon früh durch Burggrafen bewacht worden war. Der heilige Nikolaus ist u.a. der Schutzpatron der Händler. Nachdem die Kirche nun einmal einen Namen hatte, hat man diesen wohl nach der Reformation nicht mehr geändert - wie so viele im Fichtelgebirge. Lediglich die der Jungfrau Maria gewidmeten Kirchen erhielten einen neuen Namen, da die Reformation ja besonders bestrebt war, den Marienkult, der ihrer Auffassung nach der biblischen Überlieferung absolut widerspricht, auszurotten.

Hier ein Link zum Thema "Heilige in der evangelischen Kirche"

Das nächste dokumentierte Ereignis ist wieder ein Brand. Während des 30-jährigen Krieges, der von 1618 bis 1648 dauerte, wurde diesmal durch eine Unachtsamkeit der Soldaten am 4. April 1641 die Kirche in Brand gesteckt, und wieder Engel mit Trompete brannte der ganze Markt ab. Über diese Renovierungsarbeiten gibt es noch detailleirte Rechnungen, so dass sich der mehrere Jahre dauernde Wiederaufbau sehr gut rekonstruieren lässt.

Unter diesen Rechnungen und auch in der ebenfalls noch vorhandenen Auflistung des Brandschadens gibt es keinen Beleg über den Wiederaufbau einer Orgel, so dass man davon ausgehen kann, dass die Kirche zu der damaligen Zeit noch keine Orgel besaß. Des weiteren gibt es nur unbedeutende Rechnungen für Maurerarbeiten, was bedeutet, dass das Mauerwerk sowohl bei diesem und möglicherweise auch beim vorherigen Brand nicht zerstört wurde und der unbrennbare Teil des Kirchenschiffs vermutlich noch aus der Gotik stammt.

1698 erhielt die Kirche einen kleinen Vorbau, der erst mit der Renovierung 1935 abgerissen worden ist.


Was war eigentlich vor der Orgel?
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Jahreszal und Wappen an der Wiegleb-Orgel von 1791 Die erste Orgel erhielt unsere Kirche im Jahre 1655. Der Erbauer, Matthias Tretzscher aus Kulmbach, erhielt dafür ein Schaf und neun Pfund Flachs plus 15 Gulden für den Orgelankauf. Als er dann kam, erhielt er für 6 Kreutzer ranntwein, 8 Maß Bier und für 3 Kreutzer Brot. Als die Orgel fertig war, bezahlte man ihn mit weiteren 2 Gulden 27 1/2 Kreutzernfür eine halbe(!!!!!!!) Mahlzeit und 1 Gulden 21 Kreutzer Zehrgeld für den Heimweg. Da es die Autobahn noch nicht gab, war er wohl etwas länger unterwegs als wir heutzutage. Das Orgelprospekt gestaltete der Marktleuthener Bildschnitzer und spätere Orgelbauer Matthes Purucker. Ab 1659 erhielt zunächst der Schulmeister ein regelmäßiges "Gehalt" von 45 Kreutzern jährlich für's "Orgelschlagen". 1678 führte Veit Purucker die erste Reparatur aus.

1791 wurde eine neue Orgel angeschafft, die größere Umbaumaßnahmen in der Kirche verlangte, da nicht genügend Platz für sie vorhanden war. Das Kirchenschiff wurde um 2,50m verlängert und das alte Gewölbe abgerissen.

Orgelprospekt der Wiegleb-Orgel von 1791 Orgelbaumeister war H. Georg Wiegleb, "priviligierter Hof-Orgelbauer zu Bayreuth". Der damalige Kirchenvorsteher war der "Rathsfreund und Fleischhacker Meister H. Georg Christian Wunderlich", der jüngste Vorsteher H. Andreas Kispert, ebenfalls "Rathsfreund und Fleischhacker Meister". Der Meister, der für Mauerwerk und Stuckarbeiten verantwortlich war, hieß Johann Adam Wunderlich, die beteiligten Schreinermeister hießen Georg Purucker und Michael Stöhr, der "Zimmer Meister" Johann Matthias Schmeißner und der "Schmidt Meister", also der Schmied Johann Matthias Bencker. Vielleicht erkennt die eine oder der andere ja die eigenen Vorfahren wieder.

1895 und 1910 gab es noch erneute Umbauarbeien an der Kirche. So wurde z.B. ein drittes kürzeres Fenster zwischen zwei bestehenden Fenstern auf der Ostseite aus der Mauer gebrochen, und an der Sakristei wurde gebaut. Ihr heutiges Gesicht erhielt die Kirche beim großen Umbau von 1935. Das Vorhäuschen wurde abgerissen und dafür die jetzige offene Vorhalle errichtet. Auch wegen der Orgel gab es wieder einige Umbaumaßnahmen. Altarteilansicht

Im Zuge dieser Renovierung wurde dann auch der alte Rennaissncealtar auf dem Kirchendachboden entdeckt und wieder an seinem alten Platz aufgestellt, wo er heute noch steht. Auch die Sitzbänke stammen aus dem Jahre 1935.

Rokoko-Ornamente der Orgel Die Orgel wurde nicht verändert. Sie wurde in dem Stil belassen, wie der Bildhauer Joh. Konrad Sengenberger aus Schwarzenbach an der Saale sie im ausgehenden Rokoko und beginnenden Klassizismus mit den verspielten Blumenornamenten aber auch schon strengen Linien des neuen Stils geschnitzt hatte.

Was war nun vor der Orgel? Die orgel war nicht von Beginn der Kirchengeschichte das Instrument der Instrumente. Bevor die orgel ihren Siegeszug antrat, hat man sogar Dudelsack in den Krichen gespielt. Es ist längst in Vergessenheit geraten, dass der Dudelsack nicht nur nach Schottland gehört, sondern auch hier in Franken und vor allem im Egerland weit verbreitet war.


Wie lasen die Menschen früher die Bibel?
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Erntekrone an der Kirchendecke Früher, in den alten Zeiten, als die meisten Menschen noch vom Brote ihrer Hände Areit lebten, konnte kaum jemand lesen und schreiben. Diese Kunst wurde den Gelehrten überlassen, und in der Schule lernte man vor allem, ein guter Christ zu sein. Um den Menschen das Evangelium nahe zu bringen, gab es jeden Sonntag den Gottesienst,und ansonsten war man zur Gedächtnisstütze auf Bilder angewiesen. Und so wurden also wichtige Episoden aus der Bibel in Gemälden festgehalten. alte Kornährendecke Die jetzige Holztäfelung stammt aus dem Jahre 1718 und ersetzte die vorherige hölzerne und mit Pflanzenranken, stilisierten Rosenblüten und Engelsköpfen bemalte Kornährendecke, die sich noch heute unter den Holztafeln befindet und die im jetzigen kleinen Vorraum der Kirche sichtbar gemacht wurde.

Die Maler der neuen Holztafeln waren H. Bgmstr. Matthes Gebhardten und H. Mahlern (und) Bgmstr. Radio (Radius) zu Kirchenlamitz. Angeschlagen wurden sie von Schreinermeister Michael Purucker und dessen Gesellen Matthes Purucker.

Hier einige Beispiele für die Holztafeln an der Decke:

Heilung der Frau von 12 Jahre Blutfluss
Hier heilt Jesus laut Beschriftung über
dem Bild eine Frau von 12 Jahren Blutfluss.
Jesu Kreuzigung
Jesu Kreuzigung
Emmausgang
Die Jünger erkennen den auferstandenen
Jesus nicht: Emmausgang.

Die Ecks und eine der Musen auf der Kanzel Die Kanzel, von der das Wort Gottes auch heute noch gepredigt wird, stammt aus dem Jahre 1641. Eine Inschrift von 1617 besagt:"Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren." Erstellt wurde er von den Egerer Stadtschreinern und Bildmachern Gebrüder Eck, die anscheinend ihre ganze Verwandtschaft in den Köpfen verewigt haben. Jedenfalls fand man bei der Renovierung von 1935 lauter Namensbezeichnungen mit "Eck". Mit einigen kleinen Veränderungen hat sie bis heute überlebt. Der Schalldeckel jedoch stammt aus dem Jahre 1935.

Von Peter Flötner aus Nürnberg stammen die für eine Kirche ganz ungewohnten Schnitzbilder am Kanzelaufgang, die die vier griechischen Musen Erato, Terpsichore, Melpomene und Polyhymnia darstellen.

Schwebende Taufengel?
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ unser Taufengel

Eine hiesige Besonderheit sind die Taufengel in den Kirchen. Und diese schwebten tatsächlich an der Decke und wurden nur zu Taufen herunter gelassen, was Platz sparte, da die Aufhebung des Taufbeckens in der Luft eschah, und gleichzeitig dekorativ war. Zu diesem Zwecke befestigte man eine stabile Öse am Kopf des Engels und zog ihn an einem Haken nach oben.

2 Engel: Taufengel mit unserer ehemaligen Mesnerin Frau Pöhlmann Bis zum Jahre 1780 gab es allerdings auch in Marktleuthen einen Taufstein mit Deckel. Erst jetzt wurde der Taufengel angeschafft, zu dem Georg Burucker eine Taufschale aus Zinn anfertigte. Der eiserne Ring unseres Engels wurde 1935 im Zuge der Kirchenrenovierung entfernt.


Was wollten die alten Meister uns vermitteln?
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Seitdem Dan Brown uns die Augen geöffnet hat für die Weiblichkeit oder auch Kindlichkeiet des letzten Jüngers, betrachten viele - auch ich - die Altarbilder in den Kirchen mit anderen Augen. Wie sieht es nun aus mit unserem Altar?

Das Altarbild ist das Werk eines unbekannten Meisters der Spätrennaissance und gelangte 1643 nach dem großen Brand in die Kirche. Die Inschrift am unteren Bildrand lautet: "Gott zu Lob und zu Ehren seines Heiligen Sohnes Fronleichnam mein Haus Joh. Erhard Büchta seinem Ehrwürdigen Gotteshause Marktleuthen verliehen den 15. Aprilis 1643". 1667 und 1703 wird der Altar mit weiterem Zierrat vesehen, möglicherweise den goldenen Akantusranken an den Seiten. Im Jahre 1895 wurde der Altar auf den Dachboden verbannt, wo er bei der Renovierung 1935 wieder entdeckt und auf seinen Platz zurück gestellt wurde.

Jesu Taufe Auf dem oberen Bild wird die Heilige Dreifaltigkeit, also Vater, Sohn und Heiliger Geist, dargestellt, auf dem unteren das letzte Abendmahl. Die Engel des oberen Bildes erscheinen auf der Rechnung von 1702.

"Lasset die Kindlein zu mir kommen," sagte Jesus. Hat er deshalb ein Kind auf dem Schoß? Oder ist es sein eigenes?

Zu Jesu Zeiten war es für einen Mann ausgesprochen ungewöhnlich, NICHT verheiratet zu sein. Es hätte einfach auffallen müssen - aber warum hat es niemand erwähnt?

War Jesus mit Maria Magdalena, auf die die Jünger doch immer so eifersüchtig waren und sich ihr gegenüber zurück gesetzt fühlten, verheiratet? Hatte sie deshalb diese besondere Rolle bei ihm? Spricht nicht ales dafür, was in der Bibel über die Eifersucht der Jünger steht, dass SIE DER(?) Lieblingsjünger war? War jemals EIN Jünger eifersüchtig auf Johannes, den angeblichen oder tatsächlichen Lieblingsjünger? Das letzte Abendmahl

Im 3. Jahrhundert hat Kaiser Konstantin, ein Anhänger des persischen Sonnenkultes, der erst auf dem Sterbebett getauft wurde, ein Konzil einberufen, das den rechten Glauben der Christen festlegen sollte. Die Christen waren ihm zu stark geworden - mental - da sie sich nicht mehr dem Kaiser unterwarfen, lieber gingen sie singend in den Tod. Wennd as so weiter gegangen wäre - und die Christen besaßen eine magische Anziehungskraft auf ihre ganze Umwelt! - dann hätte der Kaiser bald keine Untertanen mehr gehabt. Also berief er ein Konzil, auf dem der "wahre Glaube" festgelegt wrden sollte, damit er wieder dazu taugen sollte, die Menschen zu unterdrücken und das Christentum quasi von innen auszuhöhlen, so dass es die Menschen nicht mehr stärken sondern schwächen würde.

Dieser Kaiser Konstantin vermischte nun das Christentum mit den anderen Religionen, also dem Sonnenkult mit seiner immer wiederkehrenden Auferstehung (der Sonne) und dem Bacchus-, also Weinkullt der Griechen zu einer einheitlichen Religion, mit der alle der Gekreuzigte zufrieden sein konnten, da sie alle vorherrschenden religiösen Bedürfnisse berücksichtigte, und verbot daraufhin alle "Ketzereien", die vom "wahren Glauben" abwichen. Dass dabei die heiligen Schriften auch ein wenig passend gefälscht wurden, ist erst so nach und nach publik geworden, so im letzten Jahrhundert vor allem. Auf jeden Fall waren nun alle glücklich und zufrieden, und keiner muckte mehr auf. Was will man mehr, wenn man als Kaiser seine Ruhe haben will? und wie praktisch, dass Jesus alle Schuld auf sich nahm! Da konnte man ja herrlich und in Freuden sündigen - allein schon, damit Jesus nicht umsonst gestorben ist ...

Zurück zur Frage, was die alten Meister uns sagen wollten mit ihren Bildern und Gemälden: wie wurde die Wahrheit über Jesu Leben und Sterben und vor allem über Jesu Wirken und Lehre gerettet? Und WER hat es getan, ohne dabei Kopf und Kragen zu verlieren, also ohne dass die Herrschenden das bemerkt haben und das Wissen wirklich gerettet werden konnte? Haben sie ihr im Geheimen über die Jahrhunderte überliefertes Wissen tatsächlich in ihre Werke einfließen lassen, so dass der Sehende es erfahren konnte und immer noch kann? Warum ist das alles bis jetzt nienjemandem aufgefallen? Sehen wir wirklich nur, was wir sehen wollen? Warum sitzt hier ein Kind auf Jesu Schoß?

Engel vom Altar Mehr dazu gibt es auch hier: Maria Magdalena auf verschiedenen Abendmahlsbildern oder
Vom Kreuz mit der Sünde: Wie werden wir ihn endlich wirkungsvoll los?

Quellen:

Details zur Kirche selber: "Die Evang.-luth.St.-Nikolauskirche-Kirche in Marktleuthen" von Harald Stark, herausgegeben vom Evang.-luth. Pfarramt Marktleuthen, und "Mit dem Auto wandern - Franken", Süddeutscher Verlag

Zum Geschichtlichen: Die Bibel, Religionsunterricht in der Schule, Christa Mulack, Dorothee Sölle, Eugen Drewermann, Karl-Heinz Deschner u.a.


Links neben der Eingangstüre befindet sich eine Tafel mit den GEfallenen der beiden Weltkriege. Wer zum Zwecke der Ahnenforschung etc. die Namen lesen möchte, klicke bitte die Tafel an, dann erscheint die lesbare Originalgröße. Diskussionsforum zum Thema
Gefallene der beiden Weltkriege
Taufbecken von 1895
Taufbecken von 1895


Rechts neben der Tafel steht der ehemalige Taufstein, der bei der Renovierung von 1895 den damals aus der Mode gekommenen TAufengel ersetzt hatte.

Hier einige Bibelausgaben:



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