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Sinfonie Nr. 6, Pastorale,
und
Sinfonie Nr. 8
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Als ich geboren wurde, wurde in Remscheid gerade irgendwo die 6. Sinfonie von
Ludwig van Beethoven aufgeführt - jedenfalls wenn ich meinen Vater richtig
verstanden habe - und deshalb hieß die Schallplatte, auf der sich in meiner
Kindheit diese Sinfonie befand, nur die "Sabinchenplatte". Aufgrund der
wunderschönen Lautmalerei liebten wir drei Geschwister diese Platte neben
Hörspielen und Kinderliedern sehr, vor allem die zweite Seite, auf der sich die
Sätze 3-5 befanden.
Wieso Sätze 3-5? Wer im Musikunterricht aufgepasst hat, erinnert sich bestimmt
noch vage daran, dass eine klassische Sinfonie der Sonatenform unterliegt, und
diese hatte zunächst 3 Sätze in der Abfolge schnell - langsam - schnell, die
später noch durch einen 4. Satz ergänzt wurde zur Abfolge schnell - langsam -
fröhlich - schnell. Wo kommt nun also der 5. Satz her?
Die bevorzugteste Musikform der Wiener Klassik, die Papa - Meister - Joseph
Haydn (1732-1809) erfand" bzw. perfektionierte. Sein Schüler Wolfgang Amadeus
Mozart (1756-1791) brachte sie zur Meisterschaft und Ludwig van Beethoven ging
dann in seiner 3., 6. und 9. Sinfonie über die strenge Form hinaus und wies
damit bereits hin auf die ihm folgenden Romantik. Insbesondere die hier
besprochene 6. Sinfonie, die Pastorale, ist ein erstes Werk der gerade in der
Romantik sehr beliebten Programmmusik, also so eine Art Lautmalerei zu einem
bestimmten Thema.
Was ist nun eine Sonate? Die Sonate ist also ein 3- oder 4-sätziges Musikstück
für Klavier oder für Klavier und ein weiteres Soloinstrument nach bestimmten
strengen Regeln. Beliebt waren vor allem Sonaten für Klavier solo, Klavier und
Violine oder Klavier und Violoncello. Die Satzfolge habe ich bereits oben
erwähnt. Alle 3 oder 4 Sätze sind "inhaltlich" miteinander verbunden und bilden
ein Ganzes. Besonders der 1. Satz folgt einem strengen Aufbau. In ihm wird ein
musikalisches Thema vorgestellt, dem ein zweites Thema folgt, das das erste
ergänzt oder einen Gegensatz dazu bildet. In der folgenden Durchführung werden
diese beiden Themen variiert, also verändert, miteinander kombiniert etc., sie
spielen praktisch miteinander, um am Ende, in der Reprise - zu Deutsch:
Wiederaufnahme -, noch einmal im Original wieder zu erklingen.
Warum erzähle ich das alles, wenn es doch um eine Sinfonie geht? Wie ich oben
bereits erwähnte, war die Sonate die in der Wiener Klassik alles beherrschende
Musikform für Instrumentalmusik. So ist also auch eine Sinfonie quasi eine
Sonate mit Orchester und heißt deshalb "Symphonie" = Zusammenklang (von vielen
statt nur einem bzw. zwei Instrumenten).
Kommen wir also zurück zur 6. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, der Pastorale.
Pastor (lat.) = Schäfer. Schäferspiele waren auch so eine Liebhaberei der
Adligen der Wiener Klassik, die aber mit Beethovens 6. Sinfonie nichts zu tun
haben. Beethovens Hintergrund ist ein anderer: er lebte in und wirkte als der
zweite freie Künstler (der 1. war Mozart) in Wien und zog jeden Sommer raus aus
der Stadt auf's Land. Er liebte die Natur und setzte ihr mit dieser Sinfonie
ein wunderschönes Denkmal.
~*~
Kommen wir also zur CD. Ich kaufte diese CD vor ein paar Jahren in einem der
Drogeriemärkte, die an der Kasse oder nahe der Kasse immer ein paar
CD-Sonderangebote liegen haben, und habe bestimmt nicht mehr als 4,99 -
höchstens 7,99 Euro - dafür bezahlt. (Mehr gebe ich normalerweise nie für CDs
aus, bin immer auf der Suche nach Sonderangeboten … ). Mir fiel gleich die
schöne Gestaltung der CD-Hülle auf: man sieht eine Wiese mit ganz viel rotem
Mohn - eine meiner Lieblingsblumen, dahinter Wald und noch mehr Wiese. Die
linke Seite füllt eine riesige, etwas unscharfe Mohnblüte aus, auf der in Weiß
und gold der Text steht: Sinfonie Nr. 6 Pastorale, Sinfonie Nr. 8, Symphonik -
Orchestermusik, BEETHOVEN. Umrahmt wird dieses Bild oben und unten jeweils
durch einen weißen Streifen. Auf dem oberen steht: LUDWIG VAN BEETHOVEN, auf
dem unteren: CLASSICAL EVOLUTION.
Auf der Rückseite findet man links kurze Angaben zu Beethovens Leben und zu den
beiden Sinfonien, rechts die Numerierungen der CD und die Sätze der beiden
Sinfonien, darunter die Interpreten: Hungarian Philharmonic Orchestra, JANO
FERENCSIK.
Reißt man die Cellophanhülle auf, merkt man, dass dies, was ich gerade
beschrieben hab, "nur" eine Papphülle um die eigentliche CD-Hülle ist, die
genauso aussieht wie die Pappe drum herum, allerdings ist hier der komplette
Text in Englisch.
~*~
Auf der CD befinden sich also zuerst die
- Sinfonie Nr. 6 in F-Dur Opus 68, Pastorale
Beethoven komponierte sie in den Jahren 1807 bis 1808.
1. Satz: Allegro ma non troppo
Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande
Die Sinfonie beginnt fröhlich - wie das Thema ja bereits ankündigt - mit den
Streichern, und man kann sich gut vorstellen, wie glücklich Beethoven war, wenn
er auf dem Lande ankam und die stickige und staubige Großstadt im Sommer hinter
sich lassen konnte. Allegro, eine der vielen italienischen Bezeichnungen der
Musik, die u.a. das Tempo angeben, in der das jeweilige Stück gespielt werden
soll, bedeutet auf Deutsch wörtlich übersetzt: fröhlich, als Musikbezeichnung
eher schnell, ma non troppo = aber nicht zu schnell, was der Dirigent auf
dieser CD auch gut umgesetzt hat.
2. Satz: Andante molto mosso
Szene am Bach
Während es im ersten Satz eher um das Innere von Beethoven geht, erlebt man
hier seinen Spaziergang am Bache, dem Schreberbach wohl in Heiligenstadt bei
Wien. Heutzutage hat er nichts mehr von der Atmosphäre, die Beethoven so
wunderbar beschreibt, er ist zugepflastert und kanalisiert, ein Denkmal steht
an seinem Ufer. Aber als wir im Döblinger Bezirksmuseum das Bild eines Baches
sahen, habe ich ihn sofort "wiedererkannt", es war wirklich der Schreiberbach,
wie er früher einmal ausgesehen hatte, wie er sich lieblich durch eine Wiese
schlängelte, auf der viele bunte Blumen blühten. Und während ich dies hier
schreibe, höre ich die Musik von Beethoven dazu, höre die Vögel zwitschern,
spüre die unberührte Natur und die innere Sammlung, die Beethoven hier in der
Schönheit dieser Landschaft erfährt, und das Glück, seinem Schöpfer nahe zu
sein. (Siehe bzw. höre sein "Die Himmel rühmen de Ewigen Ehre" …)
Andante = "gehend", molto mosso = "sehr bewegt" , also bewegt im Sinne von
emotional. Ich finde, dass diese Stimmung auf dieser CD auch sehr gut
ausgedrückt wird - "rüber kommt" …
3. Satz: Allegro
Lustiges Beisammensein der Landleute
Hier also begann auf der alten Schallplatte die zweite Seite, die für uns
Kinder der interessantere Teil war. Hier hört man die Landleute tanzen und
fröhlich sein. Hier ist Schwung drin - hier kommt Freude auf, der eher
besinnliche Teil ist zu Ende ….
Aber was ist das? In der Ferne fängt es an zu grummeln, und nahtlos geht der
dritte Satz über in den
4. Satz Allegro
Gewitter - Sturm
Dieser Satz ist ein absolutes Meisterwerk der Lautmalerei, übertroffen nur noch
vom allerletzten Satz. Hier sieht man förmlich die Blitze der Streicher, und
der Donner der Pauken ist eh nicht zu überhören, der Sturm jault bedrohlich,
kommt näher und näher, die Landleute laufen eiligst davon, das Gewitter tobt …
Damit konnten wir als Kinder auch was anfangen, auch ohne Worte …
Und dann auf einmal wird es wieder ruhiger, das Gewitter verzieht sich, und man
sieht förmlich, wie die Sonne durchbricht, während dieser Satz ebenfalls
nahtlos in den nächsten übergeht, den
5. Satz: Allegretto
Hirtengesang - frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm
Ich habe nie einen Musiker "getroffen", der sich mehr und überschwänglicher
freuen konnte als Beethoven und der auch die leisen Töne der stillen Freude so
meisterlich beherrscht. Leider ist der Schluss dieses Satzes etwas "abgenutzt",
da er das Ende von "hier und heute" aus den 60er oder 70er Jahren des letzten
Jahrhunderts markierte.
Hier im letzten Satz der Freude über den zurück gekehrten Sonnenschein finden
wir auch "Sabinchen"-Motiv, das mein Vater auf die Titelseite meines Fotoalbums
geschrieben hatte und zu dessen Melodie man "Binchen, Sabinchen" singen konnte
und das auch wieder wie ein Vogelruf klingt, die Freude der Vögel über das Ende
des Gewitters, also Idylle pur im letzen Satz, ohne kitschig zu sein, da
Beethoven im Gegensatz zu den späteren Romantikern, mehr Wert legt auf die
musikalische Darstellung seiner inneren Verfassung als die nur rein äußerliche
lautmalerische Darstellung.
Alles in allem kann ich nur sagen, dass diese Aufnahme mit dem ungarischen
Philharmonischen Orchester unter Janos Ferencsik sehr gelungen und auf jeden
Fall hörenswert ist. Ich finde auch, dass diese Sinfonie gut als Einstieg in
die klassische Musik geeignet ist, da sie wegen der bildhaften Darstellung sehr
leicht zu verstehen ist und nicht so schnell langweilig wird wie reine tonale
Musik, in die man sich ja doch erstmal rein hören muss.
~*~
Weniger gelungen finde ich allerdings den Übergang auf dieser CD von dem eher
besinnlichen Ende der Pastorale zu dem fröhlich sprudelnden beginn der nächsten
Sinfonie, der
- Sinfonie Nr. 8 in F-Dur Opus 93,
die Beethoven in den Jahren 1811/12 schrieb. Diese Sinfonie ist wieder eine
ganz "normale" Sinfonie mit 4 Sätzen und ohne Untertitel für die einzelnen
Sätze. Um den Bericht nicht endlos auszudehnen, werde ich zu dieser Sinfonie
nur kurz etwas schreiben und hoffe, dass das in Ordnung ist.
1. Satz: Allegro vivace e con brio
Diese Bezeichnung bedeutet: Lebhaftes Allegro und mit Feuer, was bei der
Interpretation hier auch gut zum Ausdruck kommt. Man spürt ein wenig Beethovens
innere Zerrissenheit durch die wechselnden Lautstärken und den Wechsel von
langsameren und eher hektischeren Teilen. Es klingt auch hier noch ein wenig
so, als ob das Schicksal leise an die Pforte klopfen würde, wenn auch nicht
mehr laut und vehement wie am Beginn seiner berühmten 5. Sinfonie, der
Schicksalssinfonie.
2.Satz: Allegretto scherzando
Allegretto ist die Verkleinerung von Allegro, scherzando (sprich "Skerzando")
hat was Scherzhaftes, Scherzendes, ist es aber doch nicht wortwörtlich. Auch in
dem sonst ruhigen zweiten Satz kehrt hier keine wirkliche Ruhe ein und spiegelt
wohl eine innere Unruhe Beethovens zu dieser Zeit, in der er sich wohl so
langsam mit seiner Taubheit arrangiert, die ein paar Jahre früher begann. Welch
eine Katastrophe für einen Musiker, taub zu sein und seine eigene Musik und
überhaupt Musik nicht mehr hören zu können! Aber Beethoven war eine
Kämpfernatur, und wenn es wirklich darum ging, so spürt man in dieser Musik
doch sehr stark, dass er den Kampf aufnimmt - und gewinnen will nach dem Motto:
Jetzt erst recht!
3. Satz: Tempo di menuetto
Das Menuett war ein Tanz der Wiener Klassik, der die steifen Hoftänze des
Barock mit seinen steifen Gewändern und strenger aber galanter Schrittfolge
ablöste. Das Menuett steht im ¾- also Walzertakt, in der "galanten" Zeit bei
Hofe als profaner Tanz der Landbevölkerung verpönt war. Durch das Menuett im
Rokoko bzw. der Zeit der Wiener Klassik wurde der ¾-Takt langsam salonfähig und
entwickelte sich später zum dann allseits beliebten Walzer.
Trotz des also eher heiteren Themas wirkt der Satz stellenweise ein wenig
düster.
4. Satz: Allegro vivace
Das Ende ist wieder fröhlich aber nicht so überschwenglich wie manch andere
letzten Sätze von Beethoven.
Ich finde auch die Interpretation dieser Sinfonie durch die ungarische
Philharmonie unter Janos Ferencsik sehr gelungen, macht sie doch die innere
Zerrissenheit Beethovens- trotz aller eher fröhlichen Stellen - sehr deutlich.
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FAZIT:
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Ich kann diese wunderschöne CD nur empfehlen, sowohl
was die Gestaltung als auch was die Interpretation und die Auswahl der Stücke
betrifft, aus. Zur Qualität der Technik kann ich leider nicht viel sagen, da
ich sie immer nur auf PC oder einfachen Anlagen gehört habe, wo der Klang
einwandfrei war. Wie sie bei sehr sensiblen und unter Hightech-Bedingungen
läuft und klingt, habe ich nie ausprobiert und habe so etwas auch nicht zu
Testzwecken zur Verfügung.
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